Hunderte Einsätze wegen Bienen

Revierkämpfe zwischen Bienenköniginnen sorgen derzeit für zahlreiche Feuerwehreinsätze in Wien. Rund 150 Mal sind die Einsatzkräfte seit April ausgerückt, um Bienenschwärme, die etwa Hauseingänge oder Autos besiedeln, einzufangen.

Derzeit kommt es zu Revierkämpfen zwischen den frisch geschlüpften und alten Bienenköniginnen in Wien. „Meistens verliert die ältere Königin. Sie muss sich mit der Hälfte des Volkes ein neues Zuhause suchen. Wenn die Königin auf der Suche eine Rast macht, dann halten das auch die anderen Bienen für eine gute Idee. Daher kann man derzeit ganze Schwärme von 15.000 bis 30.000 Bienen an ungewöhnlichen Stellen in Wien beobachten“, so Feuerwehrsprecher Christian Feiler gegenüber Radio Wien.

Weitere mögliche Gründe für die Bienenschwärme seien Platzmangel im Bienenstock durch viele Jungbienen und Futtermangel durch trockenes Wetter, so Johann Gruscher, Präsident des Österreichischen Imkerbundes. Als Imker könne man hier also zum Teil gegensteuern.

Dieser Sattel wurde in Wien von Bienen besiedelt; Foto: Wiener Feuerwehr

Tausende Bienen auf Fahrradsattel

Aufgefunden werden die Schwärme bei Eingängen von Schulen, Kindergärten, Familienhäusern, auf Bäumen und Dächern, aber auch auf der oft warmen Motorhaube von Autos oder im Bereich des Schiebedaches. Auch Motorräder oder Fahrradsattel sind beliebte Rastorte für Bienenschwärme. Erst am Mittwoch wurde ein Bienenschwarm vom Schaufenster eines Juweliers in der Weihburggasse in der Inneren Stadt entfernt – mehr dazu in Bienenschwarm besetzte Fahrrad (wien.ORF.at; 17.6.2013).

 

Tricks zum Einfangen

Die Feuerwehr besitzt ein eigenes Fahrzeug, in dem sich statt Löschleitungen Imkeranzüge und Holzkisten befinden, mit welchen die Bienenvölker umgesiedelt werden. In der Hochsaison ist ein Zweimannteam der Feuerwehr mit Spezialausbildung im Dauereinsatz. Beim Einfangen der Schwärme arbeiten die Experten mit Tricks.

„Wir besprühen die Völker mit Wasser, damit sie glauben, dass es regnet und eng zusammenrutschen. Dann werden sie in Kisten eingekehrt und abtransportiert. Oder, wenn die Königin erkannt wird, dann wird sie in einer Zündholzschachtel gefangen und dann in die Kiste gesetzt. Dann folgen ihr auch die anderen Bienen nach“, so Feiler.

Die Feuerwehr rückt mit Imkeranzügen statt Löschleitungen aus; Foto: Wiener Feuerwehr

650 Einsätze pro Saison

Danach werden die Bienen in die Imkerschule in den 22. Bezirk gebracht. Von dort aus wird für sie ein neues Revier – bevorzugt im Wald – gesucht. Pro Saison, diese läuft von Mitte April bis Ende September, rückt die Feuerwehr in Wien 650 Mal wegen Bienen, Hummeln, Hornissen und anderen Insekten aus.

Wenn man einen Bienenschwarm entdeckt, sollte man laut Feiler Ruhe bewahren: „Es kann nichts passieren. Bienen sind ein friedliebendes Volk. Nur wenn sie in die Enge getrieben werden, sprich, wenn man hektisch herumfuchtelt, dann könnte es sein, dass sie in einen Abwehrkampf gehen. Eine Biene verliert den Stachel, wenn sie sticht. Das wird sie nicht freiwillig tun.“ Feiler rät außerdem, die Feuerwehr zu rufen: „Wir greifen den Bienen dann unter die Flügel bei der Reviersuche.“

Pestizidmix neue Gefahr für Bienen

Nach dem EU-weiten Neonicotinoidverbot droht den Bienen neue Gefahr. Wird das als „bienenfreundlich“ eingestufte Ersatz-Pestizid Thiacloprid in Kombination mit anderen Spritzmitteln angewendet, entsteht ein für die Bienen hochgefährlicher Giftcocktail – mehr dazu in Pestizidmix neue Gefahr für Bienen(oesterreich.ORF.at, 11.6.2015).

 

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